Magath fordert Torklau Beweis

Felix Magath schimpfte und tobte wie ein Rumpelstilzchen. Der Jubel über Patrick Helmes’ vermeintlichen Führungstreffer war ihm kurz zuvor im Halse steckengeblieben, weil Schiedsrichter Knut Kircher fälschlicherweise auf Abseits entschieden und das reguläre Tor «geklaut» hatte.

Aber auch eine Stunde nach dem Abpfiff der Partie gegen Bayern München ärgerte sich der Coach des VfL Wolfsburg noch immer und heizte eine altbekannte Diskussion schon am zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga neu an.

«Wenn vier Mann nicht in der Lage sind, das richtig zu entscheiden, dann wird es Zeit, dass man dazu übergeht, den Fernsehbeweis einzuführen», sagte Magath zu der Entscheidung, über deren Fehlerhaftigkeit es keine Diskussion gab. Selbst der von Magath kritisierte Schiedsrichter Knut Kircher gab unumwunden zu: «Nachdem wir uns die TV-Bilder angesehen haben, gibt es dazu keine zwei Meinungen – es war kein Abseits. Wir haben einen Fehler gemacht.»

Sogar DFB-Präsident Theo Zwanziger kann sich mittlerweile offenbar eine gravierende Regeländerung vorstellen. «Wir müssen uns bemühen, die Ergebnisse gerechter zu machen, was natürlich nie ganz gelingen wird. Auf den ersten Blick drängt sich der Einsatz zum Beispiel von TV-Bildern auf», sagte der Verbandschef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der «Bild»-Zeitung (Montag). Zwanziger ergänzte: «Aber: Die Tatsachen-Entscheidung des Schiedsrichters muss unantastbar bleiben.»

Ungewöhnlich scharf attackierte Zwanziger das für eine solche Entscheidung maßgebliche International Football Association Board IFAB. Das Gremium mit vier Vertretern des Weltverbandes FIFA und vier Mitgliedern aus England, Schottland, Wales und Nordirland entscheidet über alle Regelfragen im Fußball. «Eine Veränderung geht nur über sie. Aber ich finde es undemokratisch und ungerecht, dass acht Leute über den gesamten Fußball entscheiden», sagte FIFA-Exekutivmitglied Zwanziger.

Die Wolfsburger kassierten in der Nachspielzeit sogar noch das 0:1 gegen den FC Bayern, was Magaths Laune nicht gerade verbesserte. Sein Kollege Mirko Slomka konnte die Reaktion zwar nachvollziehen, der Trainer von Hannover 96 lehnt einen Videobeweis aber ab. «Also ich bin total dagegen. Ich bin dafür, dass wir einen Chip im Ball haben oder eine Torkamera», argumentierte Slomka im TV-Sender Sport1. «Diese Diskussion werden wir aber jedes Wochenende haben.»

Auf anderen Plätzen gingen die Verantwortlichen etwas gelassener mit den falschen Pfiffen und umstrittenen Szenen um. Die Kölner Proteste gegen Referee Guido Winkmann (Kerken) nach dem umstrittenen Handelfmeter zum 1:1 hielten sich in Grenzen, auch wenn der «schuldige» Innenverteidiger Kevin McKenna sagte: «Eindeutig kein Elfmeter.» Kölns mit 1:5 gedemütigter Trainer Stale Solbakken meinte zurückhaltend: «Ich glaube, es war kein Elfmeter.» Aber der Strafstoß «war nicht entscheidend».

Strittig war auch der Elfmeter, den Manuel Gräfe beim 1:1 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfB Stuttgart verhängte. «Es ist Ansichtssache: Man kann den Elfer geben», sagte der von William Kvist berührte und spektakulär fallende Marco Reus und schob immerhin nach: «Wenn man ihn nicht gibt, ist es auch okay.» Die von Manager Fredi Bobic vorgetragene Meinung des VfB war da naturgemäß eindeutiger: «Es war sicherlich kein Elfmeter.»

Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Markus Merk hielt den Strafstoß allerdings für «absolut vertretbar». Die Szene in Wolfsburg bewertete Merk hingegen im «Sky»-Studio als Fehlentscheidung. Er forderte aber auch: «Es war ein menschlicher Fehler ohne Wenn und Aber, aber man soll den Menschen nicht verurteilen.» Nachsicht übte auch Helmes. «So wie wir Fehler machen, so machen Schiedsrichter auch Fehler», kommentierte der «beklaute» VfL-Stürmer: «Wir müssen das hinnehmen.»

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